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EISENBAHNYRANSPORT AUS EUROPA - EIN RELIKT DER VERGANGENHEIT?

19-07-2018
PalettenReport EisenbahnLogistik Wenn man über die Möglichkeiten von Warenlieferungen aus Europa in die GUS-Staaten spricht, so denkt man in erster Linie selbstverständlich an den Straßentransport. Dieser stellt mehr als die Hälfte des gesamten Güterverkehrs in der jeweiligen Richtung dar. Im Gleichschritt mit der Entwicklung der Infrastruktur, erhöhtem Wettbewerb und niedrigeren Straßentransportpreisen, wächst sein Anteil ständig. Bedeutet dies, dass der Schienenverkehr aus Europa ein Relikt ist, dessen Schicksal am Rande der Geschichte des Güterverkehrs bleibt oder wird diese Lieferweise noch im Trend bleiben? Um die Rolle der Schiene in der Logistik zu verstehen, haben wir uns an Dmitry Pokhodenko, einen Experten aus der Kapitalgruppe AsstrA-Associated Traffic AG für den Schienenverkehr, gewandt.

Steht der Schienenverkehr an einer verlorenen Position oder ist es nur ein falscher Eindruck in einer Situation, in der die Universalität und Flexibilität von Dienstleistungen das Wichtigste für den Kunden ist?

Im Schienenverkehr ist es auch möglich, die Art des Bestands an Schienenfahrzeugen abhängig von der Spezifität der Güter zu wählen. Zum Beispiel werden bei auf Paletten transportierten Ladungen überdachte Waggons verwendet - das entspricht einem Planen-LKW im Straßenverkehr. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner mit dem Straßentransport ist der Gondelwaggon eine Analogie zu einem Muldenkipper, der zum Transportieren von Sand oder Kohle oder der Ausrüstung verwendet wird. Zum Transportieren flüssiger Ladungen wie Säfte, Milch, Kraftstoffe oder chemische Produkte werden Tankwagen verwendet. Fast alle Arten von Ladungen werden in Containern transportiert, aber in einigen Fällen müssen die Transportdetails mit dem Eigentümer des Schienenfahrzeugbestands und der Eisenbahn vereinbart werden. Es gibt auch einen Spezialfuhrpark für den Transport bestimmter Gruppen von Ladungen, z. B. für den Transport von Stahl in Coilmulda-Coils oder von Getreide. Daher lohnt es sich nicht, die Option des Schienenverkehrs aufzugeben, nur weil die Bestellung nicht standardgemäß ist.
Wenn es sich um organisatorische Fragen handelt - wofür entscheiden sich die Kunden: Für eine kostengünstige oder für eine schnelle Variante?

In den letzten Jahren hat sich die Tarifpolitik auf dem Schienenverkehrsmarkt auf der Strecke von Europa in die GUS-Staaten verändert. Die Transporte lohnen sich nicht immer. Insbesondere auf kurzen Strecken. Nach vielen Krisen, in deren Folge die Preise für den Straßenverkehr zurückgingen, sind die Preise im Schienenverkehr gestiegen. Die Preise werden einmal jährlich festgelegt und vierteljährliche Änderungen sind erst nach einer Analyse der Kursschwankungen des Schweizer Franken möglich. Die Preisstabilität war nicht für den Güterverkehr förderlich, da der Durchschnittspreis höher als beim Straßentransport lag. Das Grundbedürfnis eines modernen Kunden ist nicht nur der Preis, sondern auch die Geschwindigkeit. Die Realisierung von Schienentransporten in der gleichen Zeit wie des Straßentransports ist nicht immer möglich.


Auf der anderen Seite sind Schienentransporte als Option in vielen Fällen die beste Lösung. Vor allem, wenn es um namhafte Produzenten mit einem stabilen und hohen Rohstofffluss geht. In der Regel haben sie Zufahrtsstraßen zu den Produktionsstätten und Züge werden regelmäßig nach Europa und in die GUS-Staaten geschickt.
Zweitens unterliegen Lieferungen von schweren Gütern auf der Straße gewissen Beschränkungen, d. h. 20-22 Tonnen für die GUS-Staaten und 25 Tonnen für die EU. Ladungen, die die angegebenen Maße überschreiten, gelten als Schwerladungen. Im Eisenbahnverkehr gelten sogar 50, 60 oder gar 70 Tonnen als Standardladung. Die Nutzlast eines verschlossenen Waggons beträgt bis zu 68 Tonnen und einer Plattform sogar bis 71 Tonnen. Beim Einsatz von Förderern für übergroße Transporte können bis zu 240 Tonnen auf Schienen transportiert werden. Wenn der Kunde eine schwere Ladung innerhalb eines Transportauftrags transportieren möchte, bieten wir vor allem den Schienenverkehr an.
Was die Abmessungen der Ladung anbelangt, hat die Bahn in dieser Hinsicht auch Schwierigkeiten gegenüber dem Straßentransport. Übergroße Lasten im Straßentransport liegen im Bereich der Standardfrachtabmessungen im Schienenverkehr.


Und schließlich, die dritte Option, bei der die Wahl der Schiene voll gerechtfertigt ist - kombinierter Verkehr. Meiner Meinung nach ist dies das modernste Logistiksystem für Transporte von Europa in die GUS-Staaten sowohl hinsichtlich der Flexibilität des Routenangebots, als auch hinsichtlich der Preise. Die Fracht wird mit Lastwagen zur Grenze mit Polen transportiert, dann erfolgt der Umschlag in Container, Waggons und wird mit dem Zug zum Endabnehmer geliefert Der Vorteil des kombinierten Verkehrs besteht darin, dass er die besten Vorteile des Straßen- und Schienenverkehrs vereint. Der erste von ihnen garantiert die Geschwindigkeit, ist aber preislich weniger attraktiv, während die Eisenbahn ein attraktives Preisangebot und volle Transportsicherheit garantiert. Daher ist ein kombiniertes System in vielen Situationen eine sehr gute Lösung.

Ein Rat für Kunden, die Schienentransporte erst planen?

Bei der Durchführung von Transporten von der EU in die GUS-Staaten sollte man die unterschiedliche Spurweite bedenken und die Dauer für den Umschlag berücksichtigen. Eine Ausnahme ist der Containertransport, wenn ein Container von einer Plattform direkt in eine andere Plattform verlagert wird. Die Zeit des Grenzübertritts zusammen mit dem Umschlag beträgt maximal 2 bis 4 Tage. Die Termine variieren allerdings je nach Saison und Verkehr an den Ladeterminals an der Grenze.


Für den Fall, dass nicht genügend Waggons für den Umschlag vorhanden sind, verbleibt die Ladung im gleichen Waggon, in den sie gebracht wurde und wartet auf die Umladung. Ein solcher Stopp ist mit Kosten verbunden, wobei diese mit jeder Stunde ansteigen. In jüngster Zeit hat sich die Situation an den meisten Grenzübergängen eindeutig stabilisiert und der Umschlagsprozess verläuft reibungslos. Das Strafzettelsystem ist ziemlich streng, weil jede Störung oder Inkonsistenz den Schienenverkehr blockiert. Auf der anderen Seite sind Eisenbahnverkehrsunternehmen bestrebt, solche Situationen zu vermeiden und daher ihre Infrastruktur ständig zu verbessern.


Wenn der Transport von Gütern einen spezialisierten Waggon oder eine spezielle Plattform erfordert, lohnt es sich, den Eisenbahntransport früher zu planen. Solche Waggons sind in der Regel mit großer Vorankündigung reserviert und selbstverständlich kann der letzte Waggon genutzt werden, wobei jedoch der Kunde mit einer derartigen Lösung eher nicht zufrieden sein wird.


Wenn der AsstrA-Kunde eine Ladung von Europa in die GUS-Staaten transportieren will, stellt der Spezialist aus unserer Unternehmensgruppe drei grundlegende Fragen: Ist die Ladung schwer? Handelt es sich um einen Dauerauftrag? Ist die Lieferzeit geregelt? Wenn die Antworten „Ja” lautet, dann ist der Schienenverkehr ganz klar die beste Lösung.
 

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Autor: AsstrA Deutschland GmbH
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